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BEFESTIGUNGEN: Befestigungslehre nach der „Schule von Mézières“ - Konvolut mit zehn Manuskriptplänen und zwei Radierungen

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Description

Das 10 Blätter umfassende Konvolut behandelt verschiedene Aspekte der bastionären Befestigung einer Stadt, u.a. nach der Befestigungslehre der „Schule von Mézières“ (gegr. ca. 1750), deren Lehre auf den Entwicklungen der französischen Militärarchitekten Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (16331707) und dessen Nachfolger Louis de Cormontaigne (1696—1752) basiert.

 

Die Federzeichnungen

Die 10 Federzeichnungen teilen sich auf in ausgearbeitete städtisch-bastionäre Planzeichnungen (6 Stück) und geometrisch-schematischen Detailzeichnungen zu verschiedenen Baueinheiten einer Bastion (4 Stück).

Die sechs städtisch-bastionären Planzeichnungen weisen nahezu identische Blattmaße auf (ca. 22,5 x 32,5 cm) und sind mit „Project: Cours” betitelt. Die detailliert ausgearbeiteten Pläne sind als sequentielle Serie zu begreifen (Nummerierung rechts oben „Plan 1-6”), die jeweils verschiedene Aspekte bzw. Planungsebenen einer befestigten Stadtanlage verdeutlichen. Eine sorgfältige Lavierung in den hierfür ungewöhnlichen Farbtönen Braun und Blau setzt die einzelnen Bauteile voneinander ab und unterstreicht die Kunstfertigkeit der feinen Federzeichnungen.

Bei den restlichen vier Blättern handelt es sich um geometrisch-schematische Detailfederzeichnungen zu verschiedenen Baueinheiten einer Bastion. Die Blätter weisen verschiedene Blattmaße auf.

Ein Blatt zeigt den Abschnitt des Kordon, d.h. des Festungswalls, mit Querschnitt der Mauer und Tiefe des Grabens sowie die vordere Ansicht der Courtine (dt. Kurtine), d.h. den meist geraden Wall zwischen zwei Bastionen, mit aufgezogener Brücke, Kamm der Brustwehr und Höhenangabe des Tors. Das Tor befindet sich in einer bastionären Befestigungsanlage meist in der Mitte der Kurtine zwischen zwei Bastionen, die das Tor flankieren (Blattmaße ca. 28 x 20,5 cm; Zustand: kleiner Fleck in der rechten oberen Ecke, sonst gut erhalten).

Drei weitere Blätter zeigen verschiedene Details einer „Befestigung nach der Schule von Mézières“ (Umrisse nach Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban). Die Blätter weisen einmal eine Größe von ca. 25 x 34,5 cm und 19,5 x 32,5 cm auf. Alle Blätter weisen minimale Flekcen auf, sind sonst aber in sehr gutem Zustand.

 

Die „Schule von Mézières“

Bei der „Schule von Mézières“ handelt es sich um eine im Jahr 1750 in Mézières gegründete Ingenieurs-Schule, deren Lehre bezüglich der Befestigung und Verteidigung von Städten bzw. Bastionen auf den Errungenschaften der französischen Militärarchitekten Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (16331707) und dessen Nachfolger Louis de Cormontaigne (1696—1752) beruhen (Zastrow 1839, S. 148 f).

 

Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (16331707) gilt als der bedeutendste Militärarchitekt der Barockzeit. In seinen 56 Dienstjahren hat Vauban, schon zu Lebzeiten mit dem Ehrentitel Ingénieur de France belegt, 33 neue Festungen geplant und unzählige bestehende Festungsanlagen modernisiert. Er ist der eigentliche Schöpfer des “eisernen Gürtels“, mit dem Frankreich unter Ludwig XIV. seine Außengrenzen sicherte. Den höchstmöglichen Rang in der königlichen Armee erreichte Vauban nach Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges, als er nach der Rückeroberung von Alt-Breisach 1703 zum Maréchal de France erhoben wurde. Gemeinsam mit seinem Nachfolger Louis de Cormontaigne plante er die Befestigung von Metz.

Das in den schematischen Zeichnungen entwickelte Bastionärsystem ist als fortifikatorisches Grundprinzip zu verstehen, das auf der optimalen Bestreichung der Festungswerke und des Vorfeldes durch die systematische Anordnung von Bastionen beruht. Erstmals wurde dieses Prinzip in Italien mit der sogenannten altitalienischen Manier des 16. Jahrhunderts verwirklicht und blieb für den Festungsbau bis in das 19. Jahrhundert prägend. Um die für die völlige Vermeidung toter Winkel notwendige, geometrisch perfekte Anordnung der Werke zu erreichen, waren bastionierte Festungen im Idealfall als regelmäßige Vielecke konzipiert.

Seinen Höhepunkt erreichte das Bastionärsystem während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch die von Marschall Vauban erbauten Festungen, dessen System vor allem von Marschall de Cormontaigne (1695–1752), Vaubans Nachfolger, weiterentwickelt wurden.

Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete man in Frankreich zahlreiche neue Festungen nach dem Bastionärsystem (z.B. Belfort, Grenoble, Lyon, Metz und Paris). Erst mit der Entwicklung neuartiger Geschütze während des deutsch-französischen Krieges 1870/71, deren Schlagkraft die Bastionen nicht mehr genügend Stand halten konnten, wurde das Bastionärsystem aufgegeben.

 

Die Wasserzeichen

Die akkuraten Federzeichnungen sind auf hochwertigem Büttenpapier mit drei verschiedenen Wasserzeichen gezeichnet. Zwei der Wasserzeichen verweisen auf die Herkunft aus der Papierfabrik „Jacob Honig & Zoonen“ von Jacob Jansz Honig (1765-1848) aus Zaandijk in Nord-Holland. Es handelt sich einmal um den namentlichen Verweis „C & I. HONIG“ sowie um ein Wasserzeichen mit ovalem Schriftband „PRO PATRIA EIUSQUE LIBERTATE“, das bekrönt ist mit einer Krone aus deren Mitte ein Baum wächst und in der Mitte einen linksteigenden Löwe mit sieben Pfeilen (Symbol der 7 Provinzen) aufweist sowie einem Stab über einem Sockel mit der Inschrift „VRYHEID“. Das dritte Wasserzeichen, der Schriftzug „J. KOOL“ in Kombination mit einem steigenden Löwen, verweist ebenfalls auf die Papiermühle von Jan Kool (1776-1837) in De Bonsem in Nord-Holland. Das Papier ist nach Vroom seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nachweisbar (Vroom 1960, S. 176, 135&c).

Neben stilistischen Gründen, liegt aufgrund des Papiers und der Gründung der „Schule von Mézières“, deren Befestigungslehren bis bin die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich waren, eine Datierung der vorliegenden Federzeichnungen in die zweite Hälfte des 18. bzw. erste Hälfte des 19. Jahrhunderts nahe.

Literatur: Vroom, Henk: De papiermolens in de Provincie Noord-Holland. De Geschiedenis der Nederlandse Papierindustrie I, Haarlem 1960 (S. 176, 135&c). – Zastrow, A. v.: Geschichte der beständigen Befestigung oder Handbuch der vorzüglichsten Systeme und Manieren der Befestigungskunst, Leipzig 1839.

 

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